Arbeit am Epochenwechsel

Isaac van Deelen

Quote of the day

22-09-2021

Plasberg listens in that evening and asks - in Brinkhaus' case, whether the CDU stands for continuity or now wants to free itself from Angela Merkel. The following answer can only come from the lips of a political professional like Brinkhaus: The CDU stands for both continuity and departure. Politicians in traffic are probably the only ones who can turn left and right at the same time.

(Das deutsche Zitat fällt unter das Leistungsschutzrecht.)
Ceterum censeo LSR esse delendam.

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MICHAEL  RADUNSKI

Winds of Change im

12-09-2021

Nach der Wahl ist vor der Tat

 

Der Westen geht unter, und wir in ertrinken Mutlosigkeit und Selbstmitleid. Die Jahre des Klagens, Bedauerns und Zweifelns haben uns wenigstens eine klare und strahlende Gewissheit hinterlassen:
Die Lage ist scheisse.

Gut. Das wissen wir jetzt.

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Dieser Tage las ich in der NYTimes einen drastischen Kommentar von Bret Stephens:

„We are a country that could not keep a demagogue from the White House; could not stop an insurrectionist mob from storming the Capitol; could not win (or at least avoid losing) a war against a morally and technologically retrograde enemy; cannot conquer a disease for which there are safe and effective vaccines; and cannot bring itself to trust the government, the news media, the scientific establishment, the police or any other institution meant to operate for the common good.
A civilization “is born stoic and dies epicurean,” wrote historian Will Durant about the Babylonians. Our civilization was born optimistic and enlightened, at least by the standards of the day. Now it feels as if it’s fading into paranoid senility.“

Und wär es auch wahr, es hülfe ja nicht weiter.
Oder sagen wir so: den achso grossartigen USA ist das vielleicht noch eine Nachricht, der deutschen Griesgrähmigkeit muss das niemand mehr erklären. Der Westen geht unter, und wir in ertrinken Mutlosigkeit und Selbstmitleid. Die Jahre des Klagens, Bedauerns und Zweifelns haben uns wenigstens eine klare und strahlende Gewissheit hinterlassen:

Die Lage ist scheisse.
Gut. Das wissen wir jetzt.
Können wir jetzt einmal daran gehen, der Lage den Kampf anzusagen?

In der Regel halte ich Optimismus-Gerede für eine Form der Ignoranz, umso mehr, wenn es bei sorgfältiger Analyse dafür keinen Anlass gibt. Inzwischen aber erscheint mir der Katastrophismus – wenn auch sachlich begründet – hinderlich, wenn es gilt, dessen Ursachen zu bekämpfen.

Es stimmt, wir haben lange Jahre und Jahrzehnte gelebt, als gäbe es kein morgen; sorglos, dabei gerne moralisch korrekt und in steter Versicherung unseres guten Willens. Mit Birkenstock und Jutetüte hatten wir unser Schärflein beigetragen, es hat uns genügt. Diese selbstgenügsame Haltung der Realitätsverschattung, des Wegschauens und des sich in „kluge-Fragen-stellen“ zu bescheiden, diese Blase einmal aufzustechen und zum Platzen zu bringen, war nötig. Wer es bis dahin selbst nicht hinbekommen hatte, dem hat Greta Thunberg den letzten Anstoss gegeben. Gut und richtig.

Mit Einsicht und Aufklärung allein jedoch ist keine Kaffeetasse zu gewinnen; tatsächlich ist das nur eine Verlängerung des Status Quo ante.

Wenn es nun aber darum geht, den schlechten Ursachen den Garaus zu machen, braucht es Energie, erneuerbare, wenn möglich. Ein gutes Beispiel für den Umgang mit- und die Überwindung der selbstverschuldeten Jammerhaftigkeit ist – Überraschung! –

Annalena Baerbock

Sie flog hoch und verbrannte sich die Flügel. Sie stürzte hart und es gab allen Grund, ihre Lage für aussichtslos zu halten: ich selbst hatte sie abgeschrieben. Immerhin: Noch als das letzte Zitat das Fass zum Überlaufen gebracht hatte, wusste ich doch auch, dass der Mensch mit seinen Aufgaben wächst. Und eines kann, nein, muss ich schon jetzt anerkennen: Frau Baerbock zeigt Nehmerqualitäten.
Ich bin noch immer unsicher, ob sie sich nicht selbst überschätzt. Andererseits:
Das muss sie doch! Sie muss – und sei es die Kanzlerschaft – es sich zutrauen, und das geht nur mit dem Mut zur Lücke; ja, wie denn sonst, soviel Realismus muss sein. In den Lücken der Frau Baerbock wohnt die Erfahrung, keine Frage, in den Lücken des Herrn Luschet wohnt die Politik selbst.

Die Ursachen der Krise

19-08-2021

Die Kandidat:innen sind Zeichen der Zeit

 

Kommentatoren und Wahlvolk sind sich einig: die Kandidaten überzeugen nicht, mobilisieren nicht, motivieren nicht. Armin L. ist schlicht der falsche, Annalena B. macht schlicht zu viele Fehler und Olaf S. hat schlicht die falsche Partei – so die Lage am Freitag, dem 13.. Aber würden "bessere" Kandidat:innen die Probleme lösen?

cc – Buschmann, pixabay

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Für das erwartbare Ergebnis verheisst das nichts Gutes, z.B. drei gleich schwache Parteien. Andererseits sagen uns das die Umfragen der Institute – und wer weiss schon, wen die fragen sollten. Jetzt, vor der Wahl, hilft es nicht, wenn die nach der Wahl – mal wieder – blamiert dastehen. Und bis zur nächsten ist das wieder vergessen.

Das Land leidet schlapp vor sich hin – an seinen Krisen, an einer fehlenden Alternative, an seinen Kandidaten. Die alte Weisheit, nach der das Volk eben die Regierung bekommt, die es verdient, wirft die Frage auf: Wie? Womit hat das Volk diese Kandidaten verdient?? 

Na, allzu lange muss man nicht suchen. Wie Luisa sagt: alle bemurmeln friedlich die Klimakrise, und dann gehen sie nach Hause, Pfannkuchen backen.
Es ist diese pappige Passivität, diese Bräsigkeit, diese opportunistische Trägheit. Seit auch die Grünen mit dem Volk kuscheln und gleichsam Kreide gefressen haben, überwiegt die Geste des allen-gut-und-keinem-wehe, des Einlullens, des Bullshit-Talk. So ein herumschluffendes Wahlvolk, scheint’s, will doch gar kein echtes, kantiges Profil. Der IPCC läutet die Sturmglocken, wir machen in Mass und Mitte. Sascha Lobo diagnostiziert „Weltstress“ – vielleicht hilft eine Wellnesskur? 14 Tage im Yoga-Retreat?  

Als das Wünschen noch geholfen hat, hätte man, wir, das Wahlvolk, sich andere Kandidat:innen wünschen können: einen Herrn Röttgen vielleicht (oder wenigstens den Herr Söder), einen Herrn Habeck; einen Herrn Gabriel am Ende? Die Gremien klüngeln, und wir nehmen es hin. Aber dafür gibt’s doch die Parteien, dass ich mich nicht selbst drum kümmern muss. Oder?! 

Die traurige Frage ist aber doch, ob andere Kandidat:innen, also nur die richtigen Leute, eine Chance haben würden, die Probleme des Landes zu lösen? Das ist sogar eine doppelt traurige Frage! Die einerseits am Konjunktiv leidet – hätte, hätte, Fah …, derlei Diskussionen sind natürlich wohlfeil, folgenlos wie eine Kissenschlacht – und andererseits daran, deswegen doppelt, dass nicht einmal im Indikativ, sprich: mit besseren Kandidaten, eine andere Politik zu erwarten wäre: Das Land leidet zwar an seinen Kandidaten, auch, ja, sie sind aber eben doch nur Zeichen, Repräsentanten einer tiefer liegenden Erstarrung.

Ich sehe drei Ursachen für diese Erstarrung, wenn nicht gar Versteinerung. Sie klingen verschieden, bei näherem Hinsehen, und das ist auch logisch, sind sie jedoch ineinander verzahnt.

I.
Dass wechselnde Topoi die Öffentlichkeit dominieren, Moden der Kommunikation, lässt sich damit erklären, dass Sachverhalte, selbst wenn sie unbestreitbar sind, nicht immer auch sinnfällig werden. Bevor ein Topos zum Trend werden kann – und mit den Ursachen verhält es sich kaum anders –, muss er sozusagen im Rudel auftreten, genauer gesagt: an verschiedenen und immer mehr Stellen in der Gesellschaft, um dann als Zeitgeist, Argument oder Problem erkannt und zum on dit zu werden. Manche schaffen es nie!
Die erste der drei Ursachen, die 

Überalterung unserer Gesellschaft 

Mikado

Wechselfälle

Besser später als nie

 
02-09-2021
1881

Es ist bezeichnend für den Zustand des parteilichen Systems, reflektiert aber doch auch nur den Zustand unseres kollektiven Bewusstseins, dass sowohl die Union wie auch die Grünen nicht willens und nicht in der Lage sind, ihre offenbaren Fehlbesetzungen zu revidieren.

Ich bedaure, es sagen zu müssen:

Annalena Baerbock ist verbrannt

Eine maximale Reaktion tut not

 
30-06-2021
6184

Die Jagdgesellschaft hat sie zur Strecke gebracht. Sie mag sich aufbäumen, sich gegen den auf sie fokussierten kollektiven medialen Vernichtungswillen wehren.
Es wird nichts nützen.

The Apple Nation

Dem Fanboy

seine Gänsehaut

 
11-06-2021
4721

Ich bin Mac-User seit 1985

Über die ersten Jahrzehnte blieb ich dabei, weil mich die Technik und die Software überzeugte – und als ich einmal beruflich ein paar Jahre fremdgehen musste (!), fühlte sich das an wie mehrere Amputationen gleichzeitig.

02-06-2021
7069

Ich sass am Frühstückstisch und las

 
22-05-2021
16578

Noch 126 Tage bis zur Wahl

 
TAGS:
11-05-2021
9962

Noch 137 Tage bis zur Wahl

 
01-04-2021
9832

Sonntagsfragerei

 
19-03-2021
11494

Gretchen fragt

 
25-02-2021
14741

Über Klarheit

 
30-01-2021
9437

Das Recht

 
07-01-2021
1468

Burning Down the House

 
27-12-2020
15794

Corona as a Metaphor

 
11-12-2020
16759

Corona als Metapher

 
16-11-2020
7543

Heribert Prantl kämpft

 
06-11-2020
1575

Genfer Konvention

 
05-11-2020
8143

They have stolen my votes!

 
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03-11-2020
8947

Lektüre für das Wartezimmer

 
TAGS:
21-09-2020
9772

Was könnte man von ihr wollen?

 

Das Wirtschaftsforum der SPD schreibt

Made in Germany – not in Europe

eine Transformationsstrategie

 
18-06-2021
39133

Nachdem die Völker endlich die Signale gehört hatten, beeilten sich die Parteien, von der grossen Transformation zu reden. Mehr … war noch nicht, aber immerhin. Unter dem Titel „Made in Germany 2030“ hat das Wirtschaftsforum der SPD ein 47 Seiten-Papier vorgelegt, dass in 9 Abschnitten die Transformations- und Industriestrategie der Partei umreisst. Eine kritische Besichtigung.

Juli Zeh schreibt Über Menschen

Unter den Worten – das Land

Ein Kammerspiel

 
25-04-2021
4990

In den Wohngemeinschaften meiner Jugend- und Studentenzeit habe ich gelernt, dass ich – und ich glaube tatsächlich: dass man – mit jedem Menschen zusammenleben kann, sagen wir: ungefähr mit jedem und … schrittweise, es klappt nicht immer auf Anhieb. Auch psychisch krankhaft veranlagte Menschen meine ich nicht, aber ein durchaus breites Spektrum charakterlicher Originalitäten.

Durch's wilde Populistan

Sag die Wahrheit

Anmerkungen zum Frontverlauf

 
13-04-2021
21108

Ich las, das Schlimmste am herrschenden Populismus und (in) den Sozialen Medien seien nicht die Fake News oder der rechte RollBack, sondern die sich ausbreitenden Halbwahrheiten.

Dass die halbe Wahrheit schlimmer, gefährlicher sei, als die komplette Lüge, das hat mir so unmittelbar eingeleuchtet, ein Gemeinplatz eigentlich, dass ich vergass, mir die Quelle zu merken, um das hier ordentlich zitieren zu können.

Soziale oder

asoziale Medien

 
20-01-2021
24383
Die Regierung Röttgen tritt an

Isch seh schwazz!

 
01-01-2021
17206
Richard David Precht schreibt "KI und…

Im Trippelschritt dem Abgrund zu

 
24-10-2020
36973
Sascha Lobo geisselt die Putinfreunde

Nun sag, wie hast du's mit der Religion?

 
27-09-2020
33167
Richtig gut oder schlecht falsch

Ein Essay – attacca

 
21-09-2020
24857
Eine Verlorene Liebe

Suits – und die Folgen

 
25-08-2020
21238
Richtig gut oder schlecht falsch

Ein Essay – ritenuto

 
01-08-2020
35788
Verstörende Zerstörung

Von Trump lernen heisst … was?

 
28-07-2020
24806
Sebastian Haffner schrieb: "Geschichte…

Nicht mehr dran glauben können

 
10-07-2020
18581
Maja Göpel schreibt »Unsere Welt neu…

Nach der Behauptung. Vor dem Entwurf

 
21-05-2020
23878
psssst

Klappe halten!

 
28-03-2020
20338
Dietmar Dath schrieb „Maschinenwinter“

Vorwärts, Genossen, es geht zurück!

 
27-01-2020
31890
Dietmar Dath schreibt Neptunation

Relativ zeitliches kosmisches Gerangel

 
19-01-2020
383
Ed Snowdon schreibt „Permanent Record“

Becoming a hero

 
03-10-2019
8674
Die Verfassungskrise des Westens

Bestandsaufnahme und ein Vorschlag.

 
25-07-2019
4342

Die WebSite zum Buch

Das Tractatus war bereits in der ersten Version ein abenteuerliches Unterfangen; oder müsst man sagen: in der zweiten Version, wenn man den Versuch von 1911 mitzählt. Wittgenstein hat sich der Kritik gestellt: wer will denn heute noch an dem ollen Plunder herumdoktorn. Und so beglückt er uns von Zeit zu Zeit mit einem neuen Versuch, das notwendige Denken auf den aktuellen Stand zu bringen.

Ein neuer Versuch ist in Arbeit

Der Teil 1 – der es sich zum Ziel gesetzt hat, die grossen Risiken unserer Zeit zu diagnostizieren, erschien zum denkbar günstigsten Zeitpunkt: am 28-02-2020. Vom Risiko einer Pandemie war nicht die Rede. Tja. Ehrlich gesagt: die Wenigsten hatten das auf dem Radar. Und an den Risiken: Finanzindustrie, Digitalisierung, Klimawandel und Migration – hat sich ja nicht viel geändert.

Das Buch steht zum Download bereit

komplett
Kapitel 1 Ökonomie
Kapitel 2 Digitalisierung
Kapitel 3 Ökologie
Kapitel 4 Migration
Kapitel 5 Nuklear, Corona et all.

Forget Wittgenstein “2.0” ein MultiMedia eBook komplett überarbeitet*

Lesebuch 15 Short Stories plus 1 "Bonustrack", ca. 289 Seiten
Hörbuch 15 Audiotracks plus 2 "Bonustracks", ca. 510 min
Videobuch 13 Videos, ca. 80 min Bilderbuch ca. 220 Abbildungen

* die Version 2.0 ist im Apple BookStore zum Preis von € 7,99 erhältlich
p.s. Das überarbeitete Tractatus II wurde in eine eigene Edition ausgegliedert