Saskia Esken

Ein bemerkenswerter Text

Saskia Esken

zum nachdenken

Minenspiel

In der Zeit steht ein bemerkenswerter Text; ich musste tatsächlich eine Weile hin- und her- und darüber nachdenken, bis ich das für mich einordnen konnte.

„Wer zum Kegeln geht," hat MRR einmal gesagt, „muss damit rechnen, dass die Pins gezählt werden." Einerseits denke ich daher, ich: staatstragend, ich: zynisch ..., Politik ist Kommunikation, und wer deren Anforderungen nicht bedienen will oder kann, sollte das Feld räumen.

Nur, denke ich andererseits, ich: Bürger, ich: Idealist, dass Kommunikation einen Inhalt haben muss (sollte) – und „vielleicht oder irgendwie“, Blabla oder Textbaustein würde ich nicht unter „Inhalt“ fassen; je Inhalt, desto kantig! 

FORM + INHALT

Die Frage geht also um: Form und Inhalt. Soll, darf, kann ein Politiker sich den Weichspül-Anforderungen widersetzen? Wer hat die Regeln eigentlich aufgestellt? Sind wir nicht in der Lage, den Inhalt hinter der Maske zu erkennen, zu lesen, zu bewerten? Ist das eine Genderfrage? Immerhin: Herbert Wehner, Franz-Josef Strauss, Joschka Fischer, das waren jedenfalls kein Kuscheltiere. 

Das führt zu der dahinter liegenden Frage: Warum „dürfen“ die genannten Herren Staatslenker das und die Parteilenkerin Saskia Esken darf das nicht? Das, meine ich, macht der Text besonders deutlich: es ist die Gruppe (hier die Fraktion) die darüber entscheidet. Natürlich ist das ekelerregend und die SPD-Fraktion erscheint mir weniger als eine Löwengrube (eine grobe Fehlinterpretation!), denn als TreibSchleimTümpel. Aber dieser opportunistische Schleim, diese Gruppendynamik, die alles abrasiert, was aus dem Mittelmass herausragt, das hat auch eine sozial- und hier besser noch eine macht-darwinistische Funktion: es lässt nur diejenigen durchkommen, die diesen Gruppenkräften widerstehen können. 

FÜHRUNG

Denn das ist eine Befähigung zur Führung: Die Gruppe zwingt alle auf Linie bis auf jene, die sich als fähig erweisen, selbst Linie vorzugeben. Die Herren Engholm, Scharping, Beck, Stoiber,  konnten es ebenso wenig, wie Frau Nahles oder Frau Kramp-Karrenbauer. Frau Merkel hat einen eigenen, sagen wir trickreichen, nur scheinbar zurückhaltenden Weg gefunden: trickreich daran war, dass sie plus/minus alle Entscheidungen „in der Zuständigkeit der Ressorts“ beliess, nicht aber ihre einsamen Entscheidungen; diese Entscheidungen waren es, die Gefolgschaft erzeugten. Plus: wenn Merkel jemandem ihr Vertrauen ausspricht, möchte man nicht in dessen Haut stecken.

Ich glaube inzwischen, dass Gefolgschaft eine archaische, in der Amygdala hart verdrahtete Verhaltensform ist, die nichts mit dem Geschlecht zu tun hat und alles mit der demonstrativen Bereitschaft der Herrschenden, die Instrumente der Herrschaft einzusetzen; und das ist – je „zivilisierter“, desto „übertragener“ in der Ausführung – die Bereitschaft, zu töten; und zwar zumindest, wenigstens die, die es „verdienen". Wenn es das in dem Artikel kolportierte Fraktionsverhalten so gibt, dann hat sich Frau Esken bislang bestenfalls als knorrig erwiesen, noch nicht aber als Führungskraft.

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