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12-04-2019

Emil Nolde gilt als "belasteter Künstler". Angela Merkel möchte nicht mehr, dass seine Malereien in ihrem Büro zu sehen sind. Anders noch als ihr Vorgänger Helmut Schmidt, hat sie ein Problem damit. Auf einmal. Belastet – was bedeutet das überhaupt? Belastend? Für wen? Für die deutsche Seele?

Gesichert ist, dass Emil Nolde ein glühender Hitler-Verehrer war, ein Nationalist, Rassist, Antisemit und NSDAP-Mitglied. Aber so einfach ist es nicht. In seinen beiden betroffenen Werken "Brecher" und "Blumengarten" ist von seiner politischen Einstellung nichts zu sehen. Das, was man sieht, ist ohnehin undeutlich, verschwommen-schwammig, regelrecht entartet. Das fanden übrigens auch die Nazis, weswegen sie ein Berufsverbot gegen ihn verhängten. Dabei war er vorher noch von Goebbels gefördert, von Himmler eingeladen worden. Der Fall wird immer komplizierter, je länger man sich in ihn einliest.

Gebietet es in einem aufgeklärten Staat wie Deutschland nicht die Souveränität, Kunst vom Künstler strikt zu trennen? Einerseits: ja, denn das ist bequemer. Andererseits: nein. Fakt ist nämlich auch: Ohne den Namen des Künstlers ("Nolde") wären Noldes Bilder keinen Pfifferling wert. Also mittlerweile natürlich schon, haben sie doch jahrelang die Arbeitsstube unserer Kanzlerin verziert. Wie oft hat Angela Merkel wohl Nüsschen knackend unter dem "Blumengarten" gesessen und gedacht: "Der Zeichner dieser schönen Blümchen hat die NS-Zeit erlebt und überlebt. So etwas darf nie wieder passieren!"? Nun herrscht hier gähnende Leere, so wie es wohl auch dem Kalifen des Islamischen Staates gefallen würde. Die Leihgaben gehen an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zurück. Wer weiß, wer sie sich dort zu Gemüte ziehen wird.

Mit der Art, wie es mit seinem kulturellen Erbe umgeht, zeigt sich die wahre Stärke eines Landes. Helmut Kohl hat nicht viel von Kunst gehalten, war zu dumm dafür. Gerhard Schröder soll für das Gemälde "Speckmusch" von Armin Mueller-Stahl zwei Millionen D-Mark hingelegt haben. Adolf Hitler hat selbst gezeichnet. Merkel hätte die Noldes behalten sollen. Wo man Bilder abhängt, hängt man am Ende Menschen ab.

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Hinweis:
Hhhm. Es fällt mir schwer, einen Zusammenhang zu meinem Blogpost zu erkennen. Ich werde den Kommentar noch ein paar Tage stehen lassen – falls der Autor Florian das noch erläutern möchte. Andernfalls werde ich ihn löschen. (IvD)

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