Alles bleibt anders

Unterwegs in die Zukunft

die Kantauer-Rössler-Disruption

Die Kantauer Rössler Disruption

Alles bleibt anders. So spricht der Narr die Wahrheit und heftet dem Zeitalter der Beschleunigung das Motto an die Stirn. Wir leben schneller, wir leben anders, aber was genau das Heute vom Gestern unterscheidet ist - anthropologisch gesehen - nicht ganz klar. Befremdlich, beharrlich ragt die Vergangenheit bis in die Gegenwart, hat vielleicht die Möbel erneuert, hat vielleicht die Wände gestrichen. 

 

1. 2003: Es gibt kein Bier ...

Was dunnemals „klasse“ war, „prima“, „knorke“ oder „doll“ und später als „cool“ durchging, als „geil“, „fett“ oder „krass“, ist nowadays „abfetzig“, „spekto“, „sahne“ oder „vollmäßig“. Aus Schlagern wurden Hits, die, statt in Paraden stolz zu paradieren, nur noch in den Charts notiert sind. Die Playstation hat den Fischerkasten verdrängt und wo früher gebolzt wurde sind heute Parkplätze. Bei all dem sind die Kinder sind zu Kids geschrumpft, doch auch little Lukas und Sister Lara zanken wie die Knöpfchen Karin und Piefke Peter: wie die Kesselflicker. 

Das ist das Eigentümliche: eingeschnürt in die limbischen Reflexe eines runzlig-ollen Stammhirns haben sich dem Menschen zwar fast alle Rahmendaten verändert, doch die Attraktoren und Reflexauslöser laufen herum wie in des Kaisers neuen Kleidern. Wie stets und seit Jahrtausenden treiben uns die Grundbedarfe, geht es um’s Überleben, Fortpflanzen und Sinn finden – und wie schon immer gelingt nur wenig.

Alles bleibt anders. So wird auch die Zukunft eine schnittige Frisur tragen, unter der das Äonen alte, stellvertretende Gesamt-Menschenhirn seinen immergleichen Verrrichtungen nachgeht. 2030? Das ist weit weg!

Vor 30 Jahren, das waren die 70er. Das war eine Zeit, in der Jugendliche Gedichte schrieben, sich mit der Geliebten, gleichsam wie Jean-Paul und Simone, fulminante Briefschlachten lieferten und im Freundeskreis die Welt (und alles ...) in bierseligen Nächten (v)erklärten. Jugend im Heute dagegen erscheint - arm: 72 Stunden dauernde Hirnabschaltungen im Dauerbeat gelten als Fun. Endloses Gebrabbel auf dem Handy, und „kommuniziert“, naja, wird über SMS oder eMail, die, ohne Anrede, militärisch im Ton, nur noch einen Bodensatz Sprache transportieren. Wenn dass so weiter geht ... dann wird es in 30 Jahren, nun, vielleicht wird es gar kein Bier mehr geben, oder nur noch in Pillen? Und wie es um die Welt stehen wird?

2. 2004: Philosophieren heisst ...

Über die vielen technologisch induzierten Veränderungen, die über die nächsten Dekaden den Globus bereichern, gefährden und jedenfalls weiter verkleinern, gibt es eine breite Diskussion. Ausgehend von den Erfahrungen unter dem Moore’schen Gesetz haben sich sehr viele renommierte Denker und Forscher zu allen denkbaren Fragen des Morgen und des Übermorgen mit Meinungen überboten. Die Diskussion ist an sich schon verwirrend, und dort, wo sie die „raisonnierende Öffentlichkeit“ berührt, ist sie in den zurückliegenden zwei, vier Jahren überdies „vergiftet“ vom Ausfluss einer geplatzten Blase überspannter Erwartungen und Heilsversprechen. 

So trifft heute eine Fraktion von aufgeregten Warnern auf eine verschworene Gemeinschaft von unbeeindruckten Technologie-Apologeten – mit ein paar mehr oder weniger gelassenen Vermittlern dazwischen. 

Freilich, über all dem wissenschaftlichen Fortschritt thront ein ethischer Vorbehalt, über dessen Grundlagen man mit nur wenig Polemik auch behaupten könnte, dass dieser (mehr oder weniger!) gültige Normen- und Wertkanon nicht ganz auf der technischen Höhe der Zeit ist. Diese zuweilen zähe, langatmige Diskussion über Sinn und Wünschbarkeit technologischer Entwicklungen wird jedoch schon bald von unerwarteten Quereinflüssen beschleunigt, wenn emergente Ökonomien wie China oder Indien und, wer weiss, Afrika, ihre Chance auf einen zivilisatorischen, global-competitiven Fortschritt darin erkennen, dass sie sich, auf der Basis ihrer gründlich anderen Wertvorstellungen, über die vielfältigen Bedenklichkeiten des Westens hinwegsetzen. Sei’s drum: In der Vergangenheit haben religiöse und ethische Restriktionen Entwicklungen verzögert; übrigens nicht immer zu Unrecht, denn die Gesellschaft als Ganzes braucht Zeit, um ihre Steuerungsmechanismen den rasanten Entwicklungen hinterher zu führen. Letztlich aber, und genau darum wird es gehen, hat noch keine ethische Argumentation ein Geschäft verhindert, im Guten nicht und auch nicht im Schlechten. 

Zu den zentralen Thesen der zitierten Diskussion zählt das „Gesetz vom steigenden Ertragszuwachs“. In dieser von Ray Kurzweil formulierten These wird die Tatsache reflektiert, dass die, von Moore’s Gesetz abgeleitete, stete Beschleunigung der technologischen Entwicklung – zugespitzt in der jeweils für den Preis von 1.000 $ verfügbaren Rechenleistung – nicht allein unsere Rechnerwelt immer leistungsfähiger macht, sondern auch die Ergebnisproduktion, die mit diesen Rechnern vorangetrieben wird, entlang einer exponential ansteigenden Funktionskurve verzeichnet. Und mit dieser These ist nicht gut Kirschen essen: denn exponentiales Wachstum ist eine Erscheinung, die selbst den entwickelten homo technologicus regelmässig überfordert. Eine vergleichbare Entwicklung, so Ray Kurzweil, geschieht gerade in den Rechnern der Welt: das Wissen der Welt explodiert – und wir können – wie es schon Günther Anders erkannte - uns das Ergebnis dieser Explosion nicht mehr vorstellen. 

Denn bei dieser Operation ist mit Entwicklungen zu rechnen, mit denen nicht gerechnet werden kann: Durchbrüche, für die wir heute weder Indikatoren noch Sensoren haben; Disruptionen, die die Grundlagen des Bestehenden über den Haufen werfen und uns mit Lichtgeschindigkeit in eine unbekannte, in die „nächste Welt“ katapultieren. 

3. 2020: Die Kantauer-Rössler-Disruption

Irgendwann zwischen Juli 2015 und Oktober 2016 waren erstmals verlässliche, überprüfbare, dokumentierbare Ergebnisse möglich geworden – heute als Kantauer-Rössler-Disruption gleichsam das Etikett unserer neuen Zeitrechnung -, denn seitdem hatte sich die Welt gründlich geändert.

Die „zweite kopernikanische Wende“, wie die KRD gelegentlich auch genannt wird, erwuchs zunächst aus einer Behauptung: dass (nämlich und jedenfalls) nicht der Mensch das Ziel der Evolution sei. Diese anfangs mit entgeistert offenen Mündern unverstandene These hatte allerdings einen causalen Rückraum, der schon mit Holzbeinen, mit Herzschrittmachern, künstlichen Hüften und Gelenken, mit Hör- und Retina-Implantaten seinen Anfang genommen hatte. Es war nur logisch, dass diese Entwicklung bis hin zum lokus humanum, dem Bewusstsein, nicht Halt machen würde. Natürlich sind die Probleme längst noch nicht alle überwunden, und bevor eines sehr, sehr schliesslichen Tages ein „entmaterialisierter kosmologischer Jupiterbrain“, sozusagen mit dem HerrGott auf Augenhöhe, allen irdischen Nöten und Bedarfen sich entwunden haben wird, hatten und werden noch einige Milestones genommen sein wollen. Milestone Eins: die Menschmaschine – und zu ihr führte das Brain-Interface.

Über zwanzig Jahre Forschung! Rodney Brooks, damals Director der Artificial Intelligence Labs am MIT hatte (Technology Review 12/03) erklärt, dass er eine direkte Verbindung des menschlichen Hirns mit dem Internet etwa bis 2020 für realisierbar hielte – seinerzeit eine mutige Prognose. Dass es am Ende eine Schnittstelle in das menschliche Hirn geben würde, man muss es so deutlich sagen, erschien unvermeidlich.  Denn aus allen Disziplinen und Himmelsrichtungen waren die Forscherteams hin zu den breitgefächerten Fragestellungen dieses Themas nur so um die Wette gerannt.

Entscheidend war zunächst die „Performance“ der Computer. Zu den (verbliebenen) Vorsprüngen, die der Mensch als Gattung gegen die Maschine bis an das Ende des 20. Jahrhundert behauptet hatte, zählte die „massive Parallelverarbeitung“, die ihn in die Lage versetzte, gleichzeitig zu sehen, zu hören, zu fühlen, zu riechen, zu denken und zu sprechen, und dies alles zusammen zu verarbeiten und zu speichern. Schon im frühen 20. Jahrhundert waren die Maschinen in der sequentiellen Datenverarbeitung den menschlichen Rechenleistungen um Längen voraus, und dennoch fehlten eins, zwei Quantensprünge, um an den Datendurchsatz der „massiven Parallelverarbeitung“ heran zu reichen. Diese qualitative Lücke konnte erst – übrigens in drei unterschiedlichen Grids – im Verlauf des Jahres 2010 geschlossen werden. Das jedoch - war die Bedingung der Möglichkeit!

Dass zu dieser Möglichkeit selbst mehr gehörte, als nur flott zu rechnen, war allgemein bekannt. Vor allem die aus den Babyschüchen herauswachsende Nanotechnologie galt dabei als eine Art Metawissenschaft und unverzichtbare Allerweltsschnittstelle vieler Forschungsgebiete aus der Chemie, der Physik, der Biologie, natürlich der Informatik – plus zahlreicher Subthemen. Ein gutes Dutzend Forscherteams suchte nach der Verknüpfung von elektrischen und biologischen Signalen. Zugleich wurden gewaltige Anstrengungen unternommen, die Topologie und Funktionsweise des Hirns zu entschlüsseln. Sozusagen im Niemandsland zwischen Cognitionsforschung und Verschlüsselungstechnologie war es schon im Herbst 2002 Forschern der Duke Universität gelungen, einen Roboter mit den Hirnströmen eines Primaten zu manipulieren. Und schliesslich arbeiteten auch unzählige Softwareentwickler, vor allem aus dem Bereich der Agententechnologie, in zähen, kleinen Schritten am Thema.

Unterwegs gab es Übergangstechnologien. In der aufgepfropften Realität, der sogenannten „augmented reality“, konvergierten zuvor unabhängig betriebene Entwicklungen: 
die in Kleidung, Brillen, Uhren und anderen körpernahen Gegenständen eingebetteten Rechensysteme, die LED- und OLED-Displays, die bis zu Nanogrössen geschrumpften Speicherbausteine, die Radiotechnologie, mit den Brennstoffzellen sogar die Energietechnik und schliesslich all die vielfältigen Kommunikations- und Organisationswerkzeuge (in ihren frühesten Formen fungierten kleine Westentaschencomputer, sogenannte „PDAs“, als Vorläufer unserer heutigen „shared consiousness agents“, der SCAs).

Aber der eigentliche, der ultimative Schritt sollte doch darin bestehen, all diese Hilfen, Genüsse, Vorteile (und Nachteile...!) unmittelbar an den Synapsen unseres Hypothalamus anliegen zu haben! Was heisst hier Produktivität? Der Übermensch? Hybris und Gottesnähe? Pah! Sowieso! 

Doch gemach: Nach den frühen Erfolgen (Duke Universität, s.o.) waren unerwartet unüberwindliche Hindernisse aufgetaucht. Über lange Jahre, eine Durststecke wie seinerzeit auch in der KI-Forschung, waren nur Zufallsergebnisse zu erzeugen. Erst die dritte Generation der Quantenrechner, die schwarzen Quantoren, näherte sich den Fähigkeiten der massiven Parallelverarbeitung eines menschlichen Hirns.
Erst sie schufen die Grundlage für die „Kantauer-Rössler-Disruption“:  

„Herr Professor Kantauer, Ihr Institut berichtet heute von einer gelungenen ersten radio-telepathischen Interkonnektion. Wie konnten Sie die belegen?“ 

“Ganz einfach! Nachdem wir die Schnittstelle stabilisieren konnten, war der Weg zum thought transfer nur noch eine Frage der Bandbreite (secure ab der Bluetooth 11th Edition, ungarantueed bekanntlich ab Version 9.8)! Zunächst haben wir die Transmitter an Humanoiden getestet. Als wir mit Spektralmessungen belegen konnten, dass keine Interferenzen auftreten würden, wir also annehmen konnten, dass die Übertragung, zumindest soweit wir es sehen können, schadlos abläuft, haben zunächst Rössler und ich den Selbstversuch gewagt. Wir hatten uns gemeinsam einige Denkmuster mit symptomatisch indizierten Transferlevels erarbeitet und diese einstudiert. Ein abweichender Teil wurde unmittelbar vor Versuchsbeginn jeweils getrennt von Zufallspassanten erhoben und notariell hinterlegt – dieser Teil war jeweils nur einem Team bekannt. Die Teams arbeiteten in unterschiedlichen Stockwerken mit ca. 36 Metern Entfernung, Luftlinie. Die Transmissionen erfolgten in vordefinierten Intervallen, da die I/O-Einheiten nicht gleichzeitig arbeiten können. Rössler sendete zuerst und sprach parallel seine Gedanken, die vom Team bei abgeglichener Braunschweiger Zeit dokumentiert wurden; auch ich sprach aus, was ich dachte; natürlich waren da die abgesprochenen Sequenzen, jedoch vermischt, unterbrochen mit mir völlig sinnlos erscheinenden Bestandteilen. Ich sprach einfach aus, was mir in den Kopf kam – und natürlich wurde auch das dokumentiert. Danach versammelten wir uns im Konferenzraum und starteten die Dokumentationen zeitgleich. Das Ergebnis: Es gab keine, keine, KEINE Differenz. Die vier Sende-Empfangsstrecken verliefen zeitgleich identisch, Rössler und ich sprachen jeweils identische Sequenzen, gelegentlich bis zu synchronen Körpergesten.“ (siehe Euro-F.A.Z. vom 24.01.2019, zitiert nach den TOI Data Archives) 

4. 2030: Daily Soap

Und übrigens muss der Umgang mit all der Technik zunächst einmal gelernt sein: Sie können doch keinen unqualifizierten Thinker auf die Welt loslassen, das gäbe nur Mord- und Hirnschlag! Und, übrigens, zum Beispiel Systemfehler: von irgendeinem externen Thoughtcaster generiert und direkt an meine Synapsen geliefert, könnten eine katastrophale Fehlfunktion auslösen, wenn, ja wenn Sie nicht in der Lage wären, bluethoughts als solche zu identifizieren, um den FT (FailureTransfer) oder die UR (unknown receipt) im OFC (original fundamental consciousness) obvious machen. 

Ist ja in den „bluethought paragraphs“ (BP) ganz gut geregelt! Alle externen Zulieferungen dürfen nur als „blaue Gedanken“ repräsentiert werden, und so weiter, und dass die nur insofern Echtfarben beinhalten dürfen, wo sie einen existentiellen Realitätsbeitrag (etwa als Alert) supporten, oder, dann natürlich nur zu Unterhaltungszwecken, wenn sie aus dem unmittelbaren Realitätsbezug (in der homebox, im thinema, als vitheo etc.) herausgelöst wirken. Das ist ja common sense. 

Sure, der Alltag spricht seine eigene Sprache, naturally. Wie soll man sagen, wirklich einfacher ist das Leben nun auch wieder nicht! Beispiel: Nehmen Sie nur so einen ganz gewöhnlichen Brainclash, diesen Allerweltsmüll, den wir alltäglich erleben: 

Sie cruisen da in Ihrem Lear-Cabrio quer über den Kontinent, monitorn die Altitude mit einem Auge, verfolgen das soundsovielte Salesmeeting auf dem Retina-Display, lassen sich, sagen wir zur Beruhigung rechts-hirnig ein paar acoustical paravents von Kruder/Dorfmeister repräsentieren, und kriegen dann in den Layer die ungefilterten Flüche der Frau Gemahlin eingestrahlt, die eine Malfunction mit ihrem SCA hat ...
... also sowas ist schon schwer schizogen, das kann ich Ihnen sagen. Und wenn sich dann noch der Junior einbeamt, um mehr Gridzeiten zu erbetteln, also dann ist die Konzentration endgültig hinüber – und Sie müssen sich das ganze Meeting im Loop vom BackUp ziehen.

Wie gesagt: Gegen diese Art Unfälle gibt es Vorsorge – und nicht umsonst bekommt nur derjenige eine Sendelizenz (übrigens: der sogenannte Hirnlappen, haha, kleiner Scherz), der auch den BTSK (BrainTansfer- und -Steeringkurs) mit dem MCD-Thought-Test abgeschlossen hat. Punktsenden, Gattern, Nebeln, Alerting, Dreamfunctions und Emergency-Transfers, also wer das nicht beherrscht ... Aber, im Alltag, wir sind doch alle nur Mensch, oder? Wie man so sagt: das Fleisch ist willig, aber der Geist ist schwach; tja, und gelegentlich fällt schon mal das shutter aus: Peinlich! Vor versammelter Mannschaft! Shania, mit dieser flashigen direct presentation, und Ihnen entgleist eine transparency! Die Kollegen, alle glotzen Sie an, dann, brüllend komisch sei das, Bell-Lachen, laut vor Aufregung, während die Kolleginnen, reaktionsschnell wie im Lehrbuch, allesamt dunkelrot im Zorn, einen schneidenden, in die Runde explodierenden paincast reinhauen, der mir und den Kollegen einen vollen collectivpeak als Einhirnung verpasst, der noch für Tage den Apsirinverbrauch bestimmt hat. Für weitergehende Fälle haben wir natürlich die TCP (thought control police), logisch, aber das sind Rechner, verstehen sie, keine Menschen! 

Es gibt auch ernste Probleme, einerseits: die Sache mit der Identität. Denn wie unterscheiden zwischen Ich, dem Virtual-I, dem Virtual-Bot und dem Digital-U, nebst dessen derivativen Erscheinungen? Wenn dieses DU dann noch neben Ihnen steht, wohnt oder mit Ihnen lebt? Das gibt dann täglich ein fröhliches Auseinanderklamüsern! Und von wegen geistige Gesundheit! Von wegen Globalisierung! Lachhaft! 
One World? 

Zwei, drei, vierunddreissig Welten, allesamt vernetzt, kommen mit ihren hoheitlichen Ansprüchen daher, werben um Ihre „membership“ und wollen doch nur Ihr Bestes: Ihre „contribution“! 
Steuern, pah!, drauf geträumt! 

Aber diese digitalen Zertifizierungen fressen einen auf. Wie im schönsten 19. Jahrhundert fordert jede net nation ihren Obolus, wenn nur der dämlichste Ihrer Auto-Agenten in deren Digits rumgurkt. Und wer – ich bitte Sie – hat denn wirklich alle ESA (ever sended agents) wieder in den heimischen Storage neutralisieren können?

Ernsthaft: Auch das Business wird nicht leichter. Natürlich, als  Unternehmer kann ich - sogar bis in die mittleren Spaceorbits - quasi ohne Transferkosten jeden Markt in jeder Welt bedienen. Bedauerlich ist nur, dass es die Digital League noch immer nicht geschafft hat, all die unsäglichen Angebote herrenloser, oder nur vermeintlich herrenloser Maschinen aus den Steuerparadiesen in der Bronce oder aus Mexico City zu squeezen oder wenigstens die unit transfers so zu trashen oder zu skippen, dass diese Art Leistungsvernichtung einfach nicht mehr lohnt. Es ist doch so: Glück hat heutzutage nur noch, wer (was ja damals sogar im strengeren Sinne als bescheuert erschien) ein Handwerk gelernt hat – Luxus geht alleweil. Gut, und dann hat jede Generationen ihren PM (proprietären Magnaten) und ihre MS-Enterprises, und der Rest der Welt muss sich tummeln und jedem Bit noch ein Quant einquetschen, um über die Runden zu kommen.

Auf der anderen Seite: durchaus Vorteile. Wenn hier auch nicht der Ort ist, um über „echt gigantischen Sex“ zu reden, allein aber die pralle brainquality eines Marmelade-Gedankens von Feinkost-plü wäre eine kleine Andacht wert. Und seit kurzem gibt es diese „semi-mondes“, Sie werden davon gehört haben. Die schiessen Ihnen so ein Oneway-Datapack in die Faltung. Echt spektakulär: Da können Sie dann nicht mehr entscheiden, ob Sie tatsächlich soeben mit Cleopatra diniert haben, und ob nicht vielleicht doch das nächtliche Vergnügen mit dem morgendlichen Verlust des Kopfes einher ging. Es soll schon Suchtfälle geben und auch financial abuse; bitte sehr, jede Zeit hat ihre Laster. 

Und sonst? Die Familie? Sorgen?

Naja, das Lernen! Immerhin, man hat ja mal Mathematik studiert! Dagegen heute: der reine Nürnberger! Der Filius verjobbt die Nächte in irgendwelchen vollverstrahlten Chemo-Spaces, nur um sich morgends die Lektionen downzuloaden; ich bitte Sie: was soll dabei rauskommen? Der hat sein Lebtag lang noch keinen eigenen Gedanken getan! Will Medium werden, na ja, er ist 13, das wächst sich raus; aber gesund, das sage ich Ihnen, gesund ist das nicht. Auch sonst; früher haben wir gemeinsam Braincruising gespielt, wir waren bei allen grossen Digitiaden dabei, ich hab ihm immer die fettesten pipes geschaltet. Und was ist der Dank: nur noch die shutter dicht! Ich komm gar nicht mehr rein in den Bengel. Im Gegenteil zur Tochter, ich nenne sie „meine kleine Digitulie“, ein Quantenschimmer von Geschöpf; hat time conceptionist gelernt und hat bereits drei SBEs (seriously big events) konzipiert, bitte sehr, rund 2500 participants. 17 Jahre und und schon einen eigenen Netzknoten im Keller. Nur das Reden fällt ihr schwer; sie denkt fliessend 8-sprachig, aber im local talk ist ihr Wortschatz eher ärmlich. So isses hal, jeder hat so seine kleinen Sorgen.

Vorschau-Reihenfolge: 
2004