End of Discussion

Positivliste

Crispr für die Praxis

Ein Aufsatz in wired legt nahe, dass Crispr aus dem Laborstadium in die Praxis übersiedelt. Die unvermeidliche Frage, die auch in wired aufgeworfen wird, ist die: Wie weit wollen „wir“ gehen? Was wollen wir zulassen.

Über dieser Frage wird jetzt jede Menge warme Luft bewegt werden. Die Moral- und Ethik-Kommision wird Sonderschichten einlegen, runde Tische werden einberufen, Gutachten werden erstellt. Etcpp.
Same procedure as last year. 

Ich meine, dass es ziemlich simpel ist.

Wie bei jeder anderen Technologie auch, werden sich KEINE Argumente finden lassen, die verhindern, dass üble Missstände, Erbkrankheiten, Infektionskrankheiten, Fehlentwicklungen und Mangelerscheinungen vermieden oder überwunden werden. Niemand kann wollen, dass ein Kind mit Glasknochen nicht davon erlöst würde, und dieses Argument steht stellvertretend für ... ungezählte Fragestellungen. In anderen Worten: Unser humanes Gewissen gebietet uns, das zu wollen. Um so mehr und umso leichter wird das Gene-Editing in die Tier- und Pflanzenwelt einziehen: Salzwasser-Reis oder Borkenkäfer-resistente Bäume, Antibiotika-Vermeidungs-Programme für die Massentierhaltung oder Ertragsbooster bei Weizen, Braunfäule-Resistenz bei Tomaten etc., naja, die Richtung, die ich damit meine, ist klar.

Pro bono, contra malum. Wie gehabt. Damit ist der Geist aus der Flasche (und machen wir uns nichts vor: er spukt längst herum).

Dann kommt die zweite Welle:

Baby-Editing 

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass irgendein Argument verhindern kann, dass wieder Millionen von Bäumen gefällt werden, um all die Diskussionen zu auf Papier zu bringen, die wider (wider, wider, wider, wider, für und wider) diese Form der Menschenverbesserung geführt werden. Das wird lange dauern, aber, wie He Jiankui gezeigt hat, wird es „Tabu-Brecher“ geben, die humanistische Argumente für sich in Anspruch nehmen werden, und wenn die Diskussion lange genug gedauert hat, wenn sich das Publikum daran gewöhnt hat und bereits eine gewisse Langeweile empfindet, dann wird sich diese Praxis NATÜRLICH in die Praxis einschleichen. Erst hier ein bischen, dann dort, und irgendwann fragt keiner mehr.

Und stets werden ZUERST solche Verfahren aufkommen, die „Gutes“ tun, Dinge, gegen die keiner ernsthaft argumentieren kann, ohne Misanthrop oder Blödmann ausgegrenzt zu werden, bevor, dann, solche Verfahren sich einschleichen, die etwa auf den IQ oder Körpermerkmale abzielen.

Das alles ist so vorhersehbar wie die Sommersonnenwende.

Überraschend dagegen wäre folgendes: Innerhalb einer Jahresfrist entwickelt die UN eine Positivliste von Zielen, auf die sich die Welt einigt, und eine Negativliste, die strafbewehrt wird. Das wird kriminelle Machenschaften nicht verhindern, wie noch nie irgendetwas irgendetwas Mögliches verhindert hat, aber es würde die Entwicklung doch in die unserer Zivilisation eigenen, geordneten Bahnen lenken.

Alles andere, wie gesagt, kost Bäume und Zeit und, fördert Schatten-Wirtschaft/-Kriminalität und verhindert, denken wir an die Drogenpolitik, nix.

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