Jennifer Lawrence, zwei

Represent Us

Jennifer Lawrence, zwei

oops – she did it again

Jennifer Lawrence engagiert sich
Represent Us! Jennifer Lawrence engagiert sich.

Zum zweiten Mal, dass ich über sie stolpere. Diesmal noch überraschender. 

Meine erste Reaktion war Begeisterung.

Wow! Das ist ein wirklich überzeugendes Engagement. 

Als es im Video um die Finanzierung der US-Wahlkampagnen geht, fällt mir sofort Lawrence Lessig ein, den ich dazu sehr profiliert früher schon einmal gehört hatte; später im Video stellt sich heraus, dass Frau Lawrence und Herr Lessig dieselbe Kampagne vorantreiben: auch Frau Lawrence ist im Vorstand der Initiative „Represent Us!“.

Ich halte den finanziellen Teil dieser Kampagne für essentiell! Doch am Rande kommt mir die Frage: Was geht uns das an? 
Es ist Amerika, nicht Europa. Wir haben es anders geregelt, auch wenn nicht immer alle Mittel koscher sind (Kohls "Versprechen" ...als Beispiel). 
Nun, wir haben da einen Hang zur CopyCat und neigen dazu, solche beeindruckenden Engagement einfach zu bejubeln. "Yes, wen can!" 

Meine zweite Reaktion war dann nicht mehr komplett positiv. 
Am Ende des Spots sollen die Menschen zusammenstehen, um ihre Interessen durchzusetzen: Liberale, Moderate, Konservative, zusammen – um das Land zu retten. 

Ich habe da meine Zweifel - aus zwei Gründen. 

Einerseits misstraue ich dem Willen des Volkes. Oft genug richtet er grossen Schaden an: die Nazis wurden gewählt, auch der Brexit, Victor Orban, Donald Trump (trotz aller Kritik am Verfahren, letztlich legal), etc.. Menschen treffen falsche Entscheidungen, die die Weltgeschichte über weite Strecken in die Katastrophe führen. 

Langsam: Ich bleibe ein Demokrat.

Allerdings denke ich schon lange darüber nach, wie man solche „Fehler“ vermeiden kann. (Ich habe noch keine Lösung, aber ein Ergebnis meines Denkens ist eine gewisse Skepsis gegenüber einer unreflektierten "Power to the People".)

Ein zweiter Aspekt bestimmt meine Zurückhaltung gegenüber dieser (möglicherweise für die USA guten) Kampagne. Dieser zweite Aspekt ist die "Große Koalition", das Aussetzen von Meinungsverschiedenheiten "unter einem gemeinsamen Ziel".
Das ist zum Einen schlecht für Meinungsverschiedenheiten: Faule Kompromisse werden zur Regel. Wir Deutschen wissen, wovon da die Rede ist.
Zweitens sind solche Koalitionen nicht nachhaltig: Kaum ist das Ziel erreicht, bricht diese fragile Koalition auseinander – und damit auch die bisherigen Erfolge.

Mit anderen Worten: Ergebnisse, die auf falschen Grundlagen basieren, sind nicht nachhaltig.

OKAY. Was ist mein Fazit? 

Ich finde JLs Engagement beeindruckend und sogar bewundernswert. Besonders gut gefällt mir die Tatsache, dass sie damit nicht "nur" für ihre eigenen oder die Interessen ihrer Peergroup kämpft (Frauen, Schauspieler, Mütter, was auch immer....), sondern für die Gesellschaft. Die Kritik an der Wahlfinanzierung in den USA ist geradezu dramatisch richtig, und ich stimme zu, dass das US-System völlig bankrott ist.

Ich bin, übrigens, auch nicht ganz und gar gegen die Große Koalition: Wenn "jede Partei" – für sich–  zu dem Schluss kommt, dass "A" richtig ist, wie es, Beispiel, nicht selten in Fragen der Verfassung vorkommt: "Wir bleiben in der Opposition, aber in dieser Frage stimmen wir mit der regierenden Partei ...". - dann erscheint mir das Ergebnis auch nachhaltig. Aber bevor es einer "Koalition des guten Willens" bedarf, um ein Ziel zu erreichen, bin ich aus Gründen der Geisteshygiene eher dafür, dass eine Partei den Sieg davon trägt. 

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