Armin Nassehi versus Niko Paech

Die Verengung des Möglichkeitsraumes

In Gefahr und grosser Not ... 

Armin Nassehi, Niko Paech
Nassehi versus Paech (© Raimond Spekking-Wikipedia, Marcus Sümnick-Flickr)

... bringt der Mittelweg den Tod. 

So klug sprach dereinst Alexander Kluge.
Gott nee, wat is das lang her! 

Vernunft

Diejenigen meiner Freunde, die mich für alt genug halten, um vernünftig zu sein, sind im Unrecht. Die Vernunft ist eine Betschwester, überhaupt ist sie die falsche Schwester von Ratio und Logik, korrupt, feige, an Brot und Butter interessiert. Der Appell an die Vernunft meint, das Eigentliche zu unterlassen, sich in den Mainstream zu ducken, das Richtige zu leugnen. Auf jeden Fall ist die Vernunft keine intellektuelle, sondern eine soziale Parteigängerin, kindisch in ihrem Drang zur Anpassung, unreif – wie übrigens auch vom Gegenteil her zu erschliessen, von der Unvernunft nämlich, die mit dem Füsschen aufstampft. Ihre tückischste Verbündete findet die Vernunft in der Klugheit, die sich auch gern bäuerlich gibt, und natürlich gehört der Kompromiss, noch so ein falscher Fuffziger, in diese Verwandtschaft. 

Es stimmt schon: nicht alles, das wir vernünftig nennen, ist zugleich auch madig oder glitschig, vielleicht gibt es so etwas wie eine Vorfeldvernunft, „rechtzeitig“ gehört möglicherweise noch dazu, „hinreichend“ vielleicht, doch der Hang bergab, zu „pünktlich“ und „genügend“, zu HÖFlichkeit, deutsch und Schulzensuren, ist unverkennbar. 

Bevor also ich mich selbst oder etwas der Vernunft anheim stellte, verwiese ich es mit aller mir möglichen Bestimmtheit an die Logik, hilfsweise an die Wahrhaftigkeit. Übrigens hat das auch etwas Kindliches, Realitäts-untaugliches, ich hoffe aber: Unverdorbenes. 

Eschatologisch

Mir kam dieser Gedanke, Kalenderblattmaterial, zugegeben, abends im Bett, als ich über Rede und Widerrede von Armin Nassehi und Niko Paech nachdachte. Nassehi hat seit ..., ja, schon eine ziemliche Weile, einen Lauf, man weiss gar nicht, wann er eigentlich seinen Job macht, so eifrig und überbordend ist seine mediale Präsenz. Auch das ist ein Thema, später. 

Nassehi verachtet Paech mit der ganzen Arroganz, die ein LMU-Lehrstuhlinhaber gegenüber einem Apl-Prof aus Oldenburg an den Tag legen kann (sein Verdikt besteht schon länger, "Vor Leuten wie Paech dagegen muss man sich vorsehen", schrieb er auf 2017 facebook). Das fängt mit der heuchlerischen Dankbarkeit an, hat einen ersten Orgasmus am Kategorienfehler (der Paech, dieses Dummerchen, kann das ja gar nicht sehen!), über „interessant“ und „fast alles richtig“ geht es bis zu „naiv“

... „Dankbar muss man Paech dafür sein, die Dinge in Reinkultur zu formulieren: Es gibt nur die Unterscheidung zwischen "alles ändern" und "weiter so" - was beides in komplexen Systemen zu den unwahrscheinlichsten Formen gehört. 

Aus meinem Gedanken, dass eine Gesellschaft nur mit ihren eigenen Mitteln reagieren kann, ein "weiter so" abzuleiten, ist ein Kategorienfehler (also einer, den Paech deswegen gar nicht sehen kann).

Die Argumentationsstruktur von Paech ist interessant. Er hat ja in fast  allem Recht - aber er formuliert ausschließlich vom eschoatologisch anmutenden Ziel her, nicht aber in den Kategorien jener Gesellschaft, die sich operativ auf Herausforderungen einstellen muss. ...

Ich halte dieser Art Argumentation für Selbstberuhigung im Gewand der Katastrophenerzählung. Es ist das wohlfeile "wir müssen", ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was dieses "Wir" ist und wie es auf sich selbst reagiert, wenn es sich bewegt. Das muss man leider naiv nennen.“ (Nassehi, facebook 20-VIII-2019)

Warum „leider“?
Was eigentlich bedauert Nassehi?

„Selbstberuhigung im Gewand der Katastrophenerzählung“ – diese Verkehrung der Intention in ein Objekt der Denunziation, das ist schon … trumpesk. Das gibt es nicht oft, dass sich die Vernunft so ausstellt, so hemmungslos und Beifall-heischend auf dem Falschen bestehend. Denn was Nassehi so vernünftig als Beschränkung des Wollens auf das Mögliche fordert, ignoriert natürlich, dass das Wollen stets auch das Mögliche determiniert, ja, evoziert. Macron und LREM – als Beispiel – wäre in Nassehis Welt nicht möglich, deswegen – aus der Perspektive ihres Beginnens – eschatologisch und naiv; übrigens Trump desgleichen, der Fall der Mauer, die Abkehr von der Atomkraft usw.; das Unmögliche ist nicht wählerisch, wenn es darum geht, sich zu ermöglichen. Und von einem schwarzen Schwan hat Nassehi auch noch nie gehört. Aber ich will es mir nicht zuu einfach machen. Was Nassehi an vielen Stellen immer wieder festhält (vielleicht könnte man es kürzer fassen), ist als Erkenntnis nicht von der Hand zu weisen:

Es ist, wie es ist.

Mit der Behauptung, dass die Gesellschaft sich nur aus den ihr gegebenen Mitteln bedienen kann, hat er, so scheint es (ihm), das argumentative Ei des Kolumbus gefunden. Der schönste Plan, wer kennt das nicht, scheitert gern und gleich am "Geht nicht". Mit Verlaub, aber das ist jetzt ärgerlich. In meiner und in seiner (Nassehis) Lebenszeit hat die Welt, wie sie ist, eine wahre Wunderwelt von Unmöglichkeiten erschaffen (dass „die Welt“ ebenso wenig ein handelndes Subjekt ist, wie irgendein „wir“: geschenkt). Und regelmässig hat die Welt unterwegs die Gesetze des Möglichen, vor allem aber das Bild des Gegebenen, neu ge- und beschrieben: Wir nennen es Disruptionen – und feiern es. Vielleicht, das sagt nicht Nassehi, ist aber eines meiner eigenen schärfsten Bedenken, ist die Zeit auch reif, darüber nachzudenken, ob eigentlich die Ingenieure der Disruptionen über ein Mandat verfügen, im Quartalsrythmus die Welt neu zu gestalten. 

An der Stelle gilt es nämlich, vom Bahnsteig zurückzutreten: Nassehi hat Recht, wenn er beklagt, dass Disruptionen hohe soziale Kosten haben, und die „jilets jaunes“ haben darüber hinaus auch gezeigt, dass Änderungen nicht allein um den Preis des Wollens zu haben sind. Niko Paech täte sich keinen Gefallen, das zu leugnen; er kommt aber auch gar nicht erst auf die Idee. Worum es Nassehi geht, das sind die kleinen Schritte: die Welt ist da, Du kannst sie nicht abschalten, lieber hier ein Fortschrittchen und da ein Verbesserungslein, als nur ewig irgendeiner verpassten, unmöglichen und sowieso falschen Revolution nachzutrauern; und wir alle haben unsere kleinen Fehler. So macht man sich Freunde, wird überall eingeladen, egal wer: hört zu und nickt. Es tut niemandem weh, ist sympathisch bis charmannt, man hatte einen unterhaltsamen Abend. Wenn Nassehi dem Paech eine „Selbstberuhigung durch Katastrophenerzählung“ vorwirft – und wer weiss, vielleicht ist da auch ein Körnchen Wahrheit enthalten, ich erkenne da etwas in meiner eigenen Haltung – so reibe ich ihm im Gegenzug den „Opportunismus der Vernünftigen“ unter die Nase. Ihm geht es gut, er will, dass das so bleibt – und jetzt mache ich mich mal ganz und gar nackig: ICH will das auch! 
Allerdings sind das bis hierher allenfalls Nebenargumente,

Krücken

Der eigentliche Fehler Nassehis liegt in der Weigerung, Unfähigkeit?, ich tippe aber auch Unwilligkeit, zu Ende zu denken: er weigert sich, zu erkennen, dass sich der Möglichkeitsraum in der Annäherung an ein Ereignis verengt; das ist eine erstaunliche Blindstelle, wenn man bedenkt, dass er gerade eine Theorie der digitalen Gesellschaft vorgelegt hat. Man kann, man muss aber nicht der „Post-Wachstumsgesellschaft“, wie sie Paech vorschlägt, das Wort reden (man muss das wenigstens diskutieren, das wäre eine andere Diskussion). Womit man sich sehr wohl beschäftigen muss ist das Phänomen, dass es viele Möglichkeiten gibt, auf ein fernes, kommendes, erwartetes Ereignis hin zu handeln, dass aber diese Möglichkeiten sowohl in ihrer spektralen Breite wie auch in Summe immer weniger werden, je näher das Ereignis kommt. Welches Ereignis? Von welcher Katastrophenerzählung ist denn hier die Rede? 

Nach dem letzten Bericht der IPCC hat die Mercator Stiftung ihre CO2-Uhr kalibriert. Sie zeigt jetzt, gestern, dass für das Erreichen des 1,5 Grad-Zieles noch 420 GT Emissionen „zur Verfügung“ stehen, bei einem (kontinuierlich anwachsenden!) Jahres“verbauch“ von 41 GT. Demnach verbleiben 8 Jahre, 4 Monate und 6 Tage, um die CO2-Emissionen auf Null zurück zu führen. Das 1,5 Grad-Ziel ist … nicht zu halten, die Welt muss bereits um das 2,0 Grad-Ziel kämpfen; auch dafür stehen die zeichen schlecht. Der IPCC-Bericht zeigt, (Summary Seite 11), welche ungefähren Auswirkungen welche Temperaturerhöhung haben wird; und eine Ahnung davon haben wir jetzt schon. Längst weiss die Welt, dass nur noch solche Massnahmen diesem „Ereignis“ hinreichend entgegenwirken, die, so der Stand der Dinge, NICHT zu den derzeit bestehenden Möglichkeiten der Gesellschaft gehören: mit einer CO2-Steuer, mit der Elektrifizierung der Mobilität etc. – mit dem ganzen nationalen Regelungskatalog! – und auch nicht, wenn nicht schon gar nicht mit dem wiederkehrenden Selbstbeschränkungsmythos – wird sich die Rückführung der Emissionen auf Null nicht bewerkstelligen lassen. Mit nur wenig Research zu den Wachstumsprognosen (von was auch immer: Energie, Fliegen, Schiffe, am schlimmsten aber: Bevölkerung) kommt man sehr rasch dahinter: im Gegenteil! Alles wächst und spriesst und gedeiht. Noch 30 Jahre, und es gibt 1,5 Milliarden Menschen mehr, wenn's gut geht; es könnten auch 3 Milliarden hinzukommen.   

Jetzt kann man natürlich einwenden: Panik ist ein schlechter Ratgeber, und das stimmt. Man muss aber auch darauf hinweisen, dass das Nie-Dagewesene vermutlich, um mit Einstein zu sprechen, das Nie-Für-Möglich-Gehaltene erfordert. "Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind." 

Wenn also keine Post-Wachstumsgesellschaft, welche denn dann? Selbstverständlich gibt es eine Menge Grau zwischen „alles ändern“ und „weiter so“. Was Nassehi „die Möglichkeiten“ der Gesellschaft nennt, ist in diesem Graubereich angesiedelt. Weil aber alle Möglichkeiten einen Zeithorizont benötigen – beispielsweise wird es ~70 Jahre gedauert haben, bis die Vermeidung von FCKW die Rückbildung des Ozonlochs bewirkt haben wird – verengt sich der Raum der Möglichkeiten bei zunehmender Annäherung an das Ereignis. Wenn nun aber immer weniger Zeit verbleibt, werden die verbleibenden Massnahmen immer radikaler... werden müssen; zu jedem Zeitpunkt jedoch muss man die „Möglichkeiten“ darauf befragen, ob sie sich denn wohl dem jeweiligen Zeithorizont (in diesem Fall: des 2,0 Grad-Zieles) unterordnen. 

Übrigens unterstelle ich Nassehi, abseits seiner Stuten-bissigen Position gegenüber Paech, keine bösen oder falschen Absichten; natürlich ist er „gegen den Klimawandel“. Pragmatisch. Praktisch. Progressiv – es ist kein Zufall, dass, Nassehi hier, Nassehi da, der Herr Professor auf allen Hochzeiten zuhause ist. Es gefällt mir aber nicht, dass mit ihm eine Stimme des Abwiegelns, des Kompromisses, des operativen Gewurschtels, den derzeit wohl breitesten Raum in der Öffentlichkeit okkupiert. Vermutlich hat auch Paech nicht den letzten Schlüssel zur Weisheit gefunden, immerhin aber gibt er sich nicht mit dem „Wasch mir den Pelz“ des Mainstreams zufrieden, wie es Nassehi sogar fordert. Nun, Nassehi singt im Chor, das sagt eigentlich alles.

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Eine kurze Korrektur:

Niko Paech ist außerplanmäßiger Professor an der Universität Siegen. In Oldenburg "vertrat" er von 2008 bis 2016 den in dieser Zeit unbesetzten Lehrstuhl für Produktion und Umwelt („PUM“).

Und eine etwas weniger kurze Anmerkung:

Betrachtungen sub specie aeternitatis haben eine teleologische (Alles ist gut, Pope) und eine finalistische (Bäume sind für Äpfel gemacht, Piaget) Komponente. Früher (Als das Wünschen noch geholfen hat, Paech) sprach man von utopischem Denken.

Und Sie haben recht, Utopien haben keine gute Presse, nicht nur unter LMU-Lehrstuhlinhabern, und das auch nicht erst seit dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus. Schon vorher war es üblich, auch unter sogenannten Linken, mit dem Ausruf „Das ist doch utopisch!“ nicht etwa lebhafte Zustimmung auszudrücken, sondern das gerade Gegenteil. In unserer Aversion gegen Utopien waren wir übrigens immer brave Schüler von Marx und Engels, denen kaum etwas wichtiger war, als ihren wissenschaftlichen Sozialismus von allerlei utopischen Träumereien abzusetzen.

Diese Aversion freilich war so etwas wie eine Alltagshaltung. Wir haben sie eingenommen, wenn wir ernsthaft darüber nachdenken wollten, was es politisch oder sonstwie zu tun gilt, und zwar hier und jetzt, jedenfalls so bald, daß wir die Folgen noch würden erleben können. Das hat niemanden davon abgehalten, unter anderen Konditionen — „wie wenn am Feiertage“ sozusagen — einmal ungezügelt darüber nachzudenken, was anstelle der allzu vertrauten Verhältnisse auch der Fall sein könnte. Von solchen Übungen, hoffend auf die Geistesblitze zwischen den Hirnströmen, läßt man sich, dem Vernehmen nach, noch nicht einmal in den Führungsetagen von Wirtschaftsunternehmen abhalten, in denen sonst Nüchternheit und Realismus als oberste Gebote gelten. Die Utopien, die dort ausgesponnen werden, heißen nur anders: Man nennt sie „Visionen“. Gewiß, das sollen „realistische Utopien“ sein, die einen bloß dazu anhalten sollen, einmal „über den Tellerrand“ hinauszuschauen, damit nicht alles in grauer Routine erstarrt. Während die „schlechten“ Utopien die Frage nach dem Weg, der aus dem Hier und Heute heraus- und zu ihnen hinführen könnte, einfach unbeantwortet lassen, sollen die „realistischen Utopien“ oder „Visionen“ uns erfinderisch machen, was gangbare Pfade in deren Utopia angeht.

Inhaltliche Kriterien dafür anzugeben, was die einen von den anderen Utopien unterscheidet, ist nicht leicht. Dazu müßten wir mehr wissen über die Rationalität (oder Irrationalität) von Argumenten, in welche Annahmen über zukünftige Sachverhalte als die entscheidenden Prämissen eingehen. Selbst wenn man also fest entschlossen ist, nur noch „realistische Utopie“ in Erwägung zu ziehen, verfügt man allein dadurch noch über kein applikables Realismuskriterium. Schwer entscheidbare Kontroversen darüber, wo der Realismus aufhört und der reine Wahn beginnt, sind daher absehbar. Und das muß gar nicht schlecht sein.

Lassen wir also die Frage, welche Utopien „schlecht“ sind und welche als anspornende „Visionen“ unsere Aufmerksamkeit nicht nur finden dürfen, sondern auch finden sollten, einstweilen dahingestellt!

Es gibt mindestens zwei andere Bereiche, die unwiderlegbar demonstrieren, daß man in einem bestimmten Sinn auf das Erwägen von Utopien gar nicht verzichten kann, selbst wenn man es wollte. Der eine dieser beiden Bereiche ist das wissenschaftliche Denken, und der andere ist die Poesie.

Bekanntlich läßt sich der Unterschied zwischen beliebigen Generalisierungen und solchen, die einen gesetzmäßigen Zusammenhang zwischen natürlichen Phänomen erfassen, nicht anders explizieren als durch den Rückgriff auf sogenannte kontrafaktische Konditionalsätze. Gesetzesartige Generalisierungen sind genau solche, die zugleich kontrafaktische Konditionalsätze stützen: Einen nomologischen Zusammenhang kennen wir eben erst dann, wenn unsere Kenntnis uns in die Lage versetzt, neben allerlei Tatsachen auch zu konstatieren, was der Fall gewesen wäre oder sein würde, wenn das-und-das eingetreten wäre bzw. einträte oder eintreten würde. Plakativ kann man sagen: Ohne kontrafaktisches Räsonnieren sind wissenschaftsgestützte Eingriffe in unsere Umgebung gar nicht zu haben. Der Verzicht auf kontrafaktische Erwägungen und damit — in einem gewissen Sinn — der Verzicht auf Utopien ist genau das, was den Hasardeur auszeichnet.

Für die Feststellung, daß in der Poesie typischerweise Fiktionen entwickelt werden, braucht man, so denke ich, nicht erst zu argumentieren. Daß der (verständige) Konsum poetischer Fiktionen — sei es in der epischen Literatur, sei es im Film, sei es sonstwo — neben vielem anderen auch kognitiv relevant ist, dürfte auch über jeden Zweifel erhaben sein. Dabei heißt „kognitiv relevant“ in diesem Zusammenhang nur so viel: Was wir in Gestalt solcher Fiktionen zur Kenntnis nehmen, wobei wir mitleiden, uns amüsieren oder auf andere Weise affektiv anregen lassen, trägt auch zu unserer kognitiven Orientierung in der Welt, in der wir leben, bei, namentlich in der sozialen Welt. Und so ist es natürlich überhaupt kein Wunder, daß die eigentlich und ursprünglich so genannten Utopien zunächst einmal ein Produkt literarischer Phantasie waren. Wie versteckt und schwer zu ermitteln der Witz solcher Phantasien sein kann, darüber legt die „Ur-Utopie“ des Thomas Morus auf beeindruckende Weise Zeugnis ab. Wer sich auch nur mit der Hälfte der möglichen Pointen, die in diesem literarischen Text angelegt sind, vertraut gemacht hat, wird nie wieder bereit sein, sich ernsthaft in eine Debatte über das eigentliche Wesen „der Utopie“ einzulassen. Dieses nämlich ist, falls es überhaupt existiert, mindestens so vielgestaltig und wandelbar wie das Wesen der Tragödie, der Komödie, des Romans oder überhaupt der Kunst.

Wenn auf das Erwägen und Erörtern von Utopien zu verzichten also hieße, daß man zugleich auch die Wissenschaft und die Poesie dran-zugeben hätte, dann ist die nur scheinbar provokante These, Utopien seien „immer und überall“ zu haben, wie ich denke, schon hineichend gut plausibel gemacht.

Dabei habe ich Utopien der dritten Art noch gar nicht erwähnt. Das sind die mathematischen Objekte. Nehmen wir als pars pro toto die Kugel! Der Umstand, daß ein physisches Objekt, dessen Oberfläche die mathematische Beschreibung einer Mannigfaltigkeit von Punkten, die zu einem gegebenen Punkt im Raum exakt denselben Abstand haben, soweit wir wissen, nirgendwo wirklich existiert, hindert uns nicht daran, die Präzision der Beschreibung, die uns die Mathematik liefert, nicht nur zu bewundern, sondern alle Vorteile der Berechenbarkeit, die sie in sich birgt, fröhlich zu nutzen, obwohl wir wissen, daß außer „verbogenen“ Annäherungen in der physischen Natur nichts zu finden ist. Alle Modelle, auf die wir bei der wissenschaftlichen Erfassung der Welt zurückgreifen, teilen mit den mathematischen Objekten diesen utopischen oder, wie man natürlich auch sagen kann, „idealen“ Charakter.

Was also bleibt von unserer alltäglichen Aversion gegen Utopien? Unser von allenfalls schwachen Kriterien begleiteter Realismus genügt jedenfalls nicht, um diese Aversion zu begründen. Die Wissenschaft, insbesondere die Mathematik und die Kunst, belehren uns ebenfalls eines Besseren. Woran also läßt sich unser Widerwillen festmachen?

Mir scheint, es ist gar nicht das Utopische — will sagen: Das Kontrafaktische, das Ideale, das bloß Ausgedachte —, was uns die beispielhaften unter den von uns verabscheuten Utopien verleidet. Es ist etwas ganz anderes. Die „schlechten“ Utopien, die wir kennen, haben es alle mit einer planmäßigen Veränderung der politischen und sozialen Verhältnisse unter Menschen zu tun. Was wir verabscheuen, das ist, so scheint mir, das hinter diesen sich verbergende „Kuchenbäcker“-Modell des sozialen Wandels — frei nach dem Motto „Man nehme ... , und dann rühre man ... , und dann ... ist irgendwann der Kuchen fertig!“ Was wir verabscheuen, das ist der Gedanke, wir selber, unsere Gewohnheiten, unsere Pläne, unsere sozialen Beziehungen könnten zum bloßen Gegenstand der Machenschaften gewisser nach einem fertigen Rezept vorgehender Gesellschafts-Bäcker werden.

Die Logik und die Moral solcher Gesellschafts-Bäcker entspricht ziemlich genau der von Viehzüchtern, die ja im übrigen von ihrem Viehzeug auch immer „nur das Beste“ wollen. Sie sagen freilich, sie wollten für ihr Vieh „nur das Beste“. Das Beste von uns, nämlich unsere Freiheit, wollen wir ihnen aber nicht geben; und so stellt sich uns ihr Lied von dem Besten für uns als ein „garstig Lied“ dar, und wir halten es für die Lüge, die es wohl auch ist. Etwas ähnliches ließe sich übrigens über viele sogenannte „Visionen“ sagen.

Um unser Mißtrauen gegenüber derlei Zumutungen ausdrücken, ist es weder nötig noch klug, ein Verdammungsurteil über Utopien als solche oder über das utopische Denken im allgemeinen zu verhängen. Es genügt, den Gesellschafts-Bäckern auf die weißen Pfoten zu hauen, damit das Mehl davonstäubt und durch den wabbeligen Teig darunter die Krallen sichtbar werden.

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Tja, am Ende gibt's dann doch noch auf die Finger. Ich teile die meisten der Überlegungen von Hans-Peter, sehe aber(?) in der "Arbeit an der Utopie" einen drängenden Aspekt des Diskurses. Es ist ziemlich klar, "dass es so nicht weiter gehen kann", ebenso klar ist, dass unklar ist, wie es weitergehen könnte. Anlass dieses Strings ist die Auseinandersetzung Nassehi/Paech, in der Nassehi das Reich des Möglichen "diktiert", also sagt, dass "das Unmögliche zu fordern" wohlfeil sei. Paech dagegen, wenn man ihn liest (beim Zuhören oder zuschauen tönt er konzilianter), hat ein regelrechten Kasernenton der Weltrettung am Leib (was offenbar einen Nassehi zutiefst erschreckt). Der Ton ist unangenehm, den Inhalt aber, eben das Utopische, braucht es unbedingt, UND SEI ES, um es zu verwerfen! Ich beschäftige mich sehr ausführlich mit Wachstum, und alles, was ich dabei lerne, zeigt mir, dass wir SEHR dringend über die Möglichkeiten nachdenken müssen, die ohne Wachstum auskommen. 

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Das oben ist die Rezension von Kaube! Sie passte so schön, weil auch Kaube dem fleißigen Armin hier und da etwas die Flügel stutzt. Aber es war nicht Kaube, der sie eingestellt hat. Und selbst wenn er es gewesen wäre, würde das nichts am ©-Problem geändert haben.

[Mal 'ne Frage: Wenn ich auf Antworten antworten möchte, werde ich gebeten, "den Haken" zu setzen, -- aber es ist nicht erkennbar, wo das geschehen sollte. Deshalb war es für mich als Externem nicht möglich, direkt an den in Rede stehenden Thread anzudocken.]

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Jürgen bezieht sich auf einen Kommentar, in dem wohl er selbst die Kaube-Rezension zu Nassehis "Muster" eingestellt hatte. Ich musste das löschen, auch wenn ich nicht wirklich weiss, ob ICH dafür verantwortlich gemacht werden könnte, was Jürgen hier einstellt. Mich haben "Grenzfälle" schon sehr viel Geld gekostet; also "nischt für unjut".

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Hallo, Herr van Deelen,

Nassehi hat eine FAZ-Rezension (30. Juni 2018) zu der Streitschrift von Precht ("Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft". München 2018) verfasst, die Sie ja auch schon in der Mache hatten. Der Artikel kümmert hinter einer Bezahlschranke vor sich hin, kann aber bei buecher.de auf der zum Precht-Buch gehörenden "site" gelesen werden.

Am 16. April 2019 hat ein öffentliches Gespräch zwischen Richard David Precht und Armin Nassehi zu "Chancen und Wandel der Digitalisierung" stattgefunden, das Sie sich bei Youtube anhören (und anschauen) können.

Ich weise Sie darauf hin, weil sich das von Ihnen beschriebene Muster auch in der Precht-Besprechung findet, aber diese (vermeintliche) Arroganz den (gar nicht uninteressanten) Austausch weder trübt noch verhindert.

Übrigens hat der Gemeinspruch: "Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis" nicht nur Bushido beschäftigt.

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Sehr herzlichen Dank für den Hinweis, habe ich noch gestern Abend zur Kenntnis genommen. Das Youtube-Gespräch hat mich schon fasziniert. Einerseits hat RDP – wohl schon Dank seiner Bestseller – ein breitbeiniges Standing; das mag ihn wohl auch dazu befähigen, unbeeindruckt von Nassehis Hochnäsigkeit mit ihm zu diskutieren. Ich schätze Precht, auch wenn er Schwächen hat (die ich in der "Durchdringung lebensweltlicher Zusammenhänge" verorte (nicht der Richtung), zu denen er sich gleichwohl äussert. Im Gespäch mit Nassehi fand ich ihn eher blass; nur zwei oder drei Repliken waren spitz und crisp. Nassehi hat gar nicht mal "mehr" zu sagen, das aber tut er in einer aufgeschäumten, polierten Kryptologie, in der das Einfache mit dem Publikum kokettiert, während das Scientistische als Statustgebahren erscheint. Ich sehe natürlich, dass er intelligent und gebildet ist; es wäre deshalb lässlich, ihm Irrtümer oder Dummheiten vorzuhalten – was mir an Nassehi nicht gefällt ist die Haltung, der Vorsatz. Er ist Beamter.

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Anlässlich des "Muster"-Buches bedauerte Romain Leick im Spiegel, der Autor verabschiede "den Leser in eine Ungewissheit, die am Ende, nach so vielen oft im apodiktischen Duktus vorgetragenen Sätzen, trotz aller Anregungen den Zweifel unausgeräumt lässt, ob der aufklärende Wissenschaftler nicht einfach im Dunkeln pfeift". Und Jürgen Kaube findet, "die eine oder andere Passage hat Nassehi mit dem Rücken zu einem Publikum geschrieben, das nicht aus Kollegen besteht, die es interessiert, wie man Shannon, Heidegger, Luhmann, Foucault und Latour miteinander verschrauben kann. Aber wer sich durch solche Passagen nicht erschöpfen lässt und wen auch der eine oder andere Einsatz des Wortes 'Ich' – 'Die Figur der Verdopplung habe ich das erste Mal 2006 nicht zufällig anlässlich der Beantwortung der Frage entwickelt, warum es Kunst gibt' – nicht vom Weiterlesen abhält, dem bietet dieses Buch viel." Dann aber justiert der FAZ-Herausgeber im Schlusssatz sein nadelspitz zulaufendes Urteil senkrecht
zum aufgepumpten Anspruch dieser "Theorie der digitalen Gesellschaft": Das Buch biete "viele Thesen, viele Hinweise, viel Stoff zum Nachdenken über das wunderlichste und NACH WIE VOR UNBEGRIFFENE Phänomen unserer Zeit." Und es gibt auch (beamtete) Ordinarien, die mit Senf bestrichenes Intelligenzlob zuteilen während sie zugleich blasenschlagende Eitelkeiten des ubiquitären Meinungsinhabers bespötteln. Ein Beispiel ist Steffen Martus: "Der diskrete Reiz des Binären" (Süddeutsche Zeitung, Nr. 203, Dienstag, 3. September 2019, Seite 14 / sogar online - noch - frei zugänglich), ein anderes Cornelia Koppetsch: "Die Verdoppelung der Welt" (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Freitag, 6. September 2019, Seite 12). Martus meint, "weil Luhmann einer der klügsten Menschen war, die jemals gelebt haben, sind seine Schüler nicht nur in der Regel extrem schlau, sondern immer auch ein wenig zu bedauern. Entweder stellen sie sich in den Schatten des Meisters oder sie müssen sehr laut 'Ich' sagen, um ihr Stimmrecht geltend zu machen. Und das tut Nassehi auf eine fast schon unanständig aufdringliche Weise. Luhmann war nicht weniger hart in der Verachtung der meisten soziologischen Angebote, die ihm - wie auch Nassehi - als unrettbar naiv und kurzschlüssig erschienen, nur formulierte er seine Vorbehalte deutlich vornehmer." Und Koppetsch stellt fest: Nassehis funktionalistischer Ansatz bleibe "in wichtigen Aspekten unterbelichtet, was sich vor allem im Fehlen einer Synthese bemerkbar macht, wie sie doch eigentlich der Untertitel des Buches, 'Theorie der digitalen Gesellschaft', suggeriert". Statt das Angekündigte zu leisten, "gleitet der Autor immer wieder ins Philosophische ab, indem er in großangelegten Exkursen und mit großer Begeisterung die Grundlagen von Zeichen-, System-, Bewusstseins- und Medientheorie unter Aufbietung vieler Beispiele wie in einem Lehrbuch erläutert. Das ist nicht uninteressant, man erfährt viele Details, die sicherlich eine wichtige Propädeutik für das Verständnis der Zeichenimmanenz und die Dynamik des Digitalen darstellen, aber von einer Gesellschaftsanalyse weit entfernt sind."

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Das Leick-Zitat ist mir am nächsten, allerdings quäle ich mich noch durch das Buch und habe meine Meinung bislang nicht verschnürt. Es ist ... unangenehm, wenn man einen Verdacht hat; dann fällt es schwer, am Verdacht vorbeizulesen. 

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Ersetzen Sie "Digitalisierung" durch "Waschen". Und fragen Sie sich, für welches gesellschaftliche Problem die Waschmaschine die Lösung ist. Dann durchschauen Sie den Trick. [Außerdem scheint Nassehi vom hermeneutischen Charakter des Fragens und dessen Vorverständnisvoraussetzung noch nie gehört zu haben. Wie ist ihm denn möglich, ohne ein (vorläufiges) Konzept von "Digitalisierung" zu präsupponieren, seine "neue methodische Herangehensweise" (S. 17) überhaupt ins Werk zu setzen? Das alles erinnert doch stark an den berühmten ontologischen "Sprung" Heideggers, der vermutlich formulieren würde: "Warum ist überhaupt Digitalisierung und nicht vielmehr nicht?"

Als Ergänzung empfehle ich: "Freud und die Zukunft", Thomas Manns kurzen, aber gehaltvollen Festvortrag, den er im Wiener Akademischen Verein für medizinische Psychologie zu Sigmund Freuds 80. Geburtstag gehalten hat (zuerst in: IMAGO, 1936, XXII. Band, Heft 3, S. 257 bis 274 / online leicht zu finden).

Mann bezieht sich dort (S. 267) auf "die Übersendung eines Sonderdrucks aus der Zeitschrift 'Imago', die Arbeit eines Wiener Gelehrten aus der Schule Freuds, betitelt „Zur Psychologie älterer Biographik" [Es handelt sich um den Aufsatz von Ernst Kris: "Zur Psychologie älterer Biographik (dargestellt an der des bildenden Künstlers)". In: Imago. Zeitschrift für psychoanalytische Psychologie ihre Grenzgebiete und Anwendungen Jgg. XXI, Heft 3, Wien1935. Seiten 320 bis 344].

Im Vortrag heißt es: Dem "Menschen ist am Wiedererkennen gelegen; er möchte das Alte im Neuen wiederfinden und das Typische im Individuellen. Darauf beruht alle Traulichkeit des Lebens, welches als vollkommen neu, einmalig und individuell sich darstellend, ohne daß es die Möglichkeit böte, Altvertrautes darin wiederzufinden, nur erschrecken und verwirren könnte. — Die Frage jener Schrift [von Kris] geht nun aber dahin, ob sich denn die Grenze zwischen dem, was Formelgut legendärer Biographik, und dem, was Lebenseigentum des Künstlers ist, zwischen dem Typischen und dem Individuellen also, scharf und unzweideutig ziehen lasse, — eine Frage, verneint wie gestellt. Das Leben ist tatsächlich eine Mischung von formelhaften und individuellen Elementen, ein Ineinander, bei dem das Individuelle gleichsam nur über das Formelhaft-Unpersönliche hinausragt. Vieles Außerpersönliche, viel unbewußte Identifikation, viel Konventionell-Schematisches ist bestimmend für das Erleben — nicht nur des Künstlers, sondern des Menschen überhaupt." (267)

"Mythos ist Lebensgründung; er ist das zeitlose Schema, die fromme Formel, in die das Leben eingeht, indem es aus dem Unbewußten seine Züge reproduziert. Kein Zweifel, die Gewinnung der mythisch-typischen Anschauungsweise [...] bedeutet [...] eine neue Heiterkeit des Erkennens und Gestaltens, welche späten Lebensjahren vorbehalten zu sein pflegt; denn im Leben der Menschheit stellt das Mythische zwar eine frühe und primitive Stufe dar, im Leben des einzelnen aber eine späte und reife. Was damit gewonnen wird, ist der Blick für die höhere Wahrheit, die sich im Wirklichen darstellt, das lächelnde Wissen vom Ewigen, Immerseienden, Gültigen, vom Schema, in dem und nach dem das vermeintlich ganz Individuelle lebt, nicht ahnend in dem naiven Dünkel seiner Erst- und Einmaligkeit, wie sehr sein Leben Formel und Wiederholung, ein Wandeln in tief ausgetretenen Spuren ist." (268)

Vielleicht hat Nassehi diese "neue Heiterkeit des Erkennens und Gestaltens, welche späten Lebensjahren vorbehalten zu sein pflegt", nun auch für sich entdeckt?

Karl Gaulhofer (Die Presse, 13. September 2019) titelte gestern jedenfalls: "Wir sind doch alle nach Mustern gestrickt" und führte aus: "Dieser Armin Nassehi erzählt viel, wenn der Abend lang oder das Buch dick ist. Man erfährt dann, welches Auto er fährt, was er am liebsten anzieht und welche Musik er hört. [Und dann mit Biss und bösem Humor:] Aber keine Sorge, damit macht sich der eloquente Münchner Soziologe nicht über Gebühr wichtig. Im Gegenteil: Er schildert solcherart die demütigende Selbsterfahrung, wie stinknormal er ist, wie eng sein Horizont, wie erwartbar sein Handeln. So sehr, dass Musikstreaming-Dienste immer schon genau wissen, was er als Nächstes kaufen will, sobald sie ihn darauf hinweisen. Diese neue Kränkung des Ego hat uns die Digitalisierung eingebrockt. Sie deckt in einer unübersichtlich gewordenen Welt bisher unsichtbare Strukturen auf."

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